Berichte der Literaturgruppen


 


Sándor Márai II

Márais essayistische Betrachtungen des Freundschaftsideals

Sándor Márai vermischt wie viele große Schriftsteller des 20. Jahrhunderts  (Musil, Joyce, Koeppen u.a.) das Erzählerische mit dem Essayistischen. Das Thema „Freundschaft“ berührt eine elementare Daseinsform des Menschen, eine Sehnsucht, von der Menschen seit Jahrtausenden träumen. Aber auch in der Tierwelt gibt es genügend Beispiele für den Freundschaftskult (z.B. bei Raben, Affen, Hunden und Katzen). Der Mensch ist anthropologisch definiert ein Gruppenwesen und konnte auch nur als ein solches in der Evolution bestehen. Gerade Freundschaften verstärkten zusätzlich die Überlebenschancen. In einer freundschaftlichen Verbindung steht in Gefahrsituationen einer für den anderen ein. Freundschaft schließt zwar nicht Liebe und Erotik aus, doch wesentlicher ist die geistige Übereinstimmung, Achtsamkeit, gemeinsames Freuen und Leiden. Oft erweist sich allerdings auch eine Komplementärfunktion als überaus Erfolg versprechend. So hilft z.B. das Mathe-Ass dem Englisch-Übersteiger und umgekehrt der Anglist dem Mathematiker.


Sándor Márai, Die Glut

München 2000 (Erstauflage 1942)

Prolog

Das Leben kann doch so schön sein, aber davon wollte Márai nichts wissen. Ihm ging es um Wahrhaftigkeit (Die Jahreszeiten, Budapest 1938, S.8) und nicht um die seltenen Freuden des Lebens. Bei den meisten  Philosophen bedeutet das eben auch keine „Glücksverheißung“, da Menschen so geartet sind, dass eine allgemeine Lebensfreude nicht möglich erscheint. Márai war ein Pessimist mit philosophischem Tiefgang. Über solche Romanciers sagt er in seinem tagebuchähnlichen Aufzeichnungen „Jahreszeiten“: Die Literatur und das Leben verschmelzen nach und nach in diesem Fegefeuer (S.21). Seine eigenen Aussagen kommentiert er dabei durchaus ironisch: Ich wollte mir das Rauchen abgewöhnen, aber das lohnt sich nicht, nächstes Jahr kommt doch der Weltkrieg (S. 10). Auf dem Höhepunkt seiner Depression schreibt er im August 1937: „Ich werde sterben und bin nie glücklich gewesen.“ (S.157)

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