Berichte der Literaturgruppen


 

Anne Tyler, Der leuchtend blaue Faden, Zürich 2016

                  Ein literarisches Stenogramm

                   Der allmähliche Verfall einer Familiendynastie

Die Leser, noch mitten im Leben

Meist Frauen, also Leserinnen

Sie lieben die kesse, scharfsinnige Erzählerin

Charakter und Tiefe, ihr Markenzeichen

Eine Familiengeschichte!

 

Was dort passiert, nicht unbekannt

Für Literaturkreis-Teilnehmerinnen

Die Stimmen laut vernehmlich

Fast gleichzeitig, jeder will es sagen

Wieder erkennen über den Atlantik hinweg

Nicht in allem, aber in vielem

Die Jetztzeit - Familie Whitshank aus Baltimore.

Abby, Sozialarbeiterin mit Helfersyndrom

Ein talentierter, kluger Sohn und ein Sorgenkind

Auf der Suche nach sich selbst

Will so viel probieren, nichts ist von Dauer

Kassiert lieber das Schulgeld als Lehrern nachzubeten

Doch Abby liebt das Sorgenkind

Vater Red lehnt den Wüstling ab

Denny durchkurvt Amerika

Meldet sich mal wieder telefonisch

„Ich bin schwul“ und legt auf

Entsetzen in der Stadtvilla der Bauunternehmer-Familie!

Noch 2 Schwestern und ein Bube im Haus

Halten die Stellung in Whitshanker Residenz

Amanda, die Herrische, 9 Jahre älter als Denny

Jeannie, die Wilde, 5 Jahre älter als Denny

Stem, Nachkömmling, 4 Jahre jünger als Denny

Stem, angenommener Sohn eines Fliesenlegers

Stem arbeitet in  Familienbetrieb, die Baufirma

Red betrachtet ihn als den kommenden Chef

Und Denny?

Tingelt durch die Welt

Sucht ständig Veränderung

Raucht, trinkt, nimmt Drogen

Schafft dennoch den College -Abschluss

Das wissen die Geschwister nicht 

Denny macht eine Arzttochter vorübergehend glücklich

Der Arztvater muss handeln

Verscheucht den schönen Denny auf Nimmerwiedersehen.

 

1997.Denny läd seine Familie ein

Hochzeit mit der älteren Carla, der Molligen

Alles eine Inszenierung?

Die Familie fragt sich:

„Warum war der Junge so erpicht darauf, seine Familie gegen eine andere einzutauschen“ (S.32)

Die Whitshanks erfahren aus der Ferne von der Geburt Susans

Denny taucht mit ihr gelegentlich unangemeldet bei seinen Eltern auf

Gerüchte kursieren:

Ist Susan überhaupt seine Tochter?

Warum lebt Susan bei Claras Eltern?

Zurück in die Vergangenheit

Großvater Junior, einst Zimmermann, dann Firmengründer

Baut ein Haus für Familie Brill

Junior hängt an diesem Bauwerk, spielt später den Hausmeister

Mrs Brill fühlt sich im Haus nicht wohl

1942: Die Brills verkaufen an Junior und Ehefrau Linnie

Kinder bleiben  nicht aus: Red und Merrick

Merrick, die Selbstgerechte, spannt ihrer besten Freundin den reichen Freund aus

Jeden Sommer, seit 36 Jahren: Ferien: im eigenen Sommerhaus am Atlantik

Die Eltern alt und krank ( Red:Herzinfarkt, Orientierungslosigkeit bei Abby)

Der Lieblingshund schon lange tot

Spannungen zwischen Denny und Stem

Das Dilemma bleibt Zuhause

Abby überfordert in der  Haushaltsführung

Stem und dessen Ehefrau Nora übernehmen

Das Unglück:

Abby und ihr jetziger Hund Brenda werden überfahren

Verkrampfung bei allen Familienmitgliedern

Beerdigung Abbys, jeder spürt das Auseinanderbrechen

Der blaue Faden reißt

Ohne Abby -  kein Sinn !

Nachlass:

Abbys Testament, ein Schock für Stem

Es gibt eine Mutter, die ihn nicht will

Abby ist bereit, ihn  zu behalten

Oder, wenn die Mutter will, ihn dieser schrecklichen Frau zu überlassen

Jener Rabenmutter !

Liebt ihn Abby nicht genug?

Stems Zweifel, seine Verbitterung

Red will das Haus nicht mehr

Ihm reicht eine 2 Zi-Wohnung

Stem und Nora wollen zurück in ihre alte Bleibe.

Die Schreibkünstlerin Ann Tyler kann`s nicht lassen

Es drängen noch Erinnerungen:

Abby als junges Mädchen, liebt in der Zeit von Elvis und Chuck

Den wüsten Dane und nicht den Red

Dann erkennt sie die Vorzüge Reds

Red ist für sie der Richtige

Sie weiß es

Das Weitere wissen wir!

Die Autorin gibt keine Ruhe:

Wie war es mit den Großeltern?

Wie fanden Junior und Linnie zusammen?

Die Autorin will eine Familiechronik niederschreiben, die die Großeltern bis zur Enkelgeneration erfasst. So schlittert sie ins Jahr 1931 zurück.

Linnie ist 13 Jahre alt

Liebt Dane ungebührlich

Linnies voller Busen macht sie älter als sie ist 

Ihre Eltern jagen Junior von dannen

Die 18jährige Linnie will Junior ausfindig machen

Sie folgt den blauen Spuren

Findet einen frustrierten Junior in Baltimore

Der will sie fortjagen

Linnie bittet um eine Chance

Will bleiben und ihren Angebeteten unterstützen

Der „blaue Faden“ bindet sie aneinander

Sie halten sich die Treue

Stark und lebensfroh wie der Tulpenbaum

Den einst er ausgegraben

Der Baum, die blaue Farbe, das Haus

Symbole der Beständigkeit bei der Familie Whitshank.

Wieder Sprung in die Gegenwart: Was ist mit Denny?

Seine Freundin zweifelt an Beständigkeit, misstraut seinen Versprechungen

Der suchende Denny kann sich der Macht der blauen Farbe nicht widersetzen

Er resümiert:

So viele Menschen

                                Tragen abgrundtiefe Traurigkeit in sich

                                                                                                   Ohne dass es andere merken

Denny wird ein Philosoph

                                            Glaubt an die Wahrheit seiner selbst

                                                                                                      +Endlich sich gefunden!

Wir suchen alle nach Lebenssinn

                                                       Und scheitern oft

                                                                                    Ohne aufgeben zu wollen.

Hoffnung bleibt und bindet.

Ein/e Schriftsteller/in wünscht ein Happy -End, doch keiner will eine Rosamunde sein,,.

Märchenerzähler ausgenommen. Träume bleiben, auch wenn der Motor ins Stocken gerät.

Danke Anne, du hast uns wieder Hoffnung gemacht, die Traurigkeit ist längst gewichen.

 

Ein blauer Faden bindet Widersprüche

Die Macht der Farbe

Heilt die Wunden

Lässt Niederlagen vergessen

Nährt die Hoffnung

So ist nun einmal das Leben!

Wolfgang Schwarz               im Sonnenschein des Februars 2019

Kindheit und Aufstieg Erich Kästners

Unsere Literaturgruppe „Schöne deutsche Sprache“ beschäftigt sich z. Zt. mit Erich Kästner. Es werden Gedichte und Prosatexte des Autors vorgetragen und besprochen und alle Teilnehmer loben die Sprachkost, die Ironie und Lockerheit seiner Schriften. Dabei werden immer wieder die thematisierten menschlichen Schwächen zur Sprache gebracht. Selbst wir Heutigen erkennen vieles in uns wieder und  blicken lachend in  uns hinein.

Da liegt es nahe, auch über das Leben des Dichters zu sprechen. Schnell wird uns klar, dass in seinen autobiographischen Äußerungen manches verschwiegen oder zumindest geschönt wird. Ich möchte mich daher an einem literarischen Stenogramm versuchen, will es  nicht ein Poem nennen.

Im ersten Teil dieses Vorhabens kommt die Eheschließung der Eltern (1892), der Lichtblick der erichschen Geburt (1899), der allmähliche Aufstieg zu Ruhm und Ehre (die Gedichts-sammlung „Lärm im Spiegel“ und der Vorabend zum Erfolgsroman „Emil und die Detektive“) zur Sprache. Der Text baut eigene Assoziationen bei der chronologischen Darstellung ein.

Last und Lust im Zuge der Befreiung

Das alte geht zu Ende

                          Ein neues Jahrtausend klopft an die Tür
Erich geboren
                          Jubel in kleiner Hütte
                                                    Dresden 1899
                                                                     Keine Pegida in Sicht 

Mutter

           Ida Augustin


Der Bruder

               reichster Pferdehändler der Stadt
                                                        
Und der Vater?

              Tüchtiger Handwerker, 24 Jahre alt und ein schlechter Tänzer

Ida
      Von den Schwestern gedrängt
                                                      Sie wollte ihn eigentlich nicht

Jetzt liegt sie  mit Klein-Erich im Bett

Sie lächelt
                  Eine Lebensaufgabe
                                                  Vielleicht auch Freiheit
Gibt es einen Schattenvater?
                                      Klatschmäuler flüstern von Dr. Zimmermann
Erich wächst heran
                             Ein kluger Bub
                                                   Klassenbester in der Volksschule

Weiterführende Schulen kosten Geld
                                                        Das ist nicht vorhanden

Mutter treibt den Jungen an                                                                                                   Will  die geliebte Mutter nicht enttäuschen
                                                            Kämpft in der Kinderkaserne
Die einzige Chance
                                Lehrerseminar

Andere wollen siegen
                                  Glauben an die  deutsche Überlegenheit  
1914
         Weltkriegskatastrophe
                                             So viele Tote!

Erich
         Ab in die „Fußartillerie“
                                                 Drill, Gehorsam, Sadismus
Sergeant Waurich hat das Sagen

                                  Qualen der Schutzbefohlenen sind seine Freude

Später im Gedicht

                   Waurich zum Soldaten Erich Kästner:

                  „Wenn du meinen Revolver hättest brächtest du mich um?

Da hab ich „ja“ gesagt“
                                       (aus: Lärm im Spiegel,1928)

Der Krieg verloren
                          Ihm blieb die Front erspart

                                        Die Tür zum Gymnasium steht jetzt offen

Auf zur Freiheit!
                           Zur Vollendung!

Studium in Leipzig, Rostock und Berlin

Und dann auch noch
                               Liebe auf Augenhöhe
Ilse Julius
                  Ein Mädchen  aus ärmlichen Verhältnissen 18 Jahre alt

So klug
                                                                                                                                            Studiert Chemie

Man trifft sich
                    Im Cafe´
                               Und Anderswo
                                                  Diplom-Ingenieurin und Promovierte

Sie will kein Lotterleben führen wie Erich

8 Jahre hält die Beziehung
                                       So viele Seitensprünge
                                                                          Sie will nicht mehr

Erich sieht sich für feste Bindungen nicht erschaffen
                                                                          Will den Ausstieg
                                                                                                                   Das Ende 1926

Was bleibt, ist ein Gedicht:

„Als sie einander acht Jahr kannten
(und man darf sagen: sie kannten sich gut),
kam ihre Liebe gänzlich abhanden.
Wie anderen Leuten ein Stock oder Hut.

Da weinte sie schließlich. Und er stand dabei.“
(Sachliche Romanze, 1929)

Erich macht weiter
                         Cafe´, Frauen, Gedichte, Zeitungsartikel und Studium
Ganz nebenbei
                         Aus dem Sattlersohn wird Dr. Erich Kästner
Erfolge, Erfolge
                         Immer weiter nach oben
Und vor der Tür
                        Steht schon Emil Tischbein
                                          und neben ihm der kleine“ Dienstag“

Und, und, und
                        Noch manches folgt.

Geduld, Geduld

 



Wolfgang Schwarz  Dezember 2018

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